02 Februar 2018

Bitcoin: Die Cyberwährung soll erwachsen werden

Patrick Mehrhoff

Patrick Mehrhoff

Marketing und Kommunikation bei Crypto Finance AG

Über den Autor

Die Cyberwährung Bitcoin hat den grössten Wochenverlust seit drei Jahren eingefahren. Für den Bitcoin-Markt ist das gut.

Der Albtraum für Bitcoin-Investoren scheint nicht zu enden: Besonders hart trifft es alle, die erst im Dezember eingestiegen sind – auf dem Höhepunkt des Hypes. Damals schoss der Kurs auf ein Rekordhoch von 20’000 Dollar. Seither sinkt der Bitcoin unaufhaltsam.

Am Freitag ist die Kryptowährung zwischenzeitlich auf unter 8000 Dollar gesackt. Und hat allein diese Woche mehr als 30 Prozent an Wert eingebüsst. Es ist der grösste Wochenverlust seit fast fünf Jahren.

Ist die viel genannte Blase endgültig geplatzt? Rast der Bitcoin-Kurs ins Bodenlose? Experten sind sich unschlüssig. Bekannt sind hingegen die Gründe für die Talfahrt. Besonders drei dürften die Spekulanten verschreckt haben.

Drei Gründe für den Absturz

Erstens sorgten strengere Regulierungen für Negativschlagzeilen: Sie stammen vorwiegend aus Asien, wo Kryptowährungen besonders beliebt sind. So erwägt etwa die Regierung in Südkorea, Handelsplattformen für Bitcoin zu verbieten. China will den hohen Stromverbrauch für die Herstellung von Bitcoins eindämmen. Und Indien will die Transaktionen besser kontrollieren – um den illegalen Handel abzuwürgen.

Zweitens treiben Krypto-Diebe ihr Unwesen. Vergangene Woche etwa haben Hacker bei einem Angriff auf die japanische Börse Coincheck digitale Münzen im Wert von 534 Millionen Dollar erbeutet. 280’000 Kunden wurden bestohlen. Doch nicht nur Hacker sorgen für Unruhe. Am 22. Januar kam es in England zu einem Raubüberfall. Vier vermummte Täter zwangen ein Unternehmerpaar zu einer Bitcoin-Überweisung in unbekannter Höhe.

Drittens häufen sich Spekulationen um Unregelmässigkeiten im Handel mit Bitcoin. Schuld daran ist die Kryptowährung Tether. Speziell: Jeder Coin dieser Digitalwährung soll durch einen echten Dollar gedeckt sein.

Seit letztem Sommer aber beobachten Experten eine Korrelation zum Bitcoin: Meistens wenn grosse Mengen neuer Tether in Umlauf kamen, stieg der Bitcoin-Kurs an. Nun verdichten sich Gerüchte, dass alles ein Bluff war und die Betreiber der Kryptobörse Bitfinex den Tether dazu verwenden, um den Kryptowährungsmarkt zu manipulieren. Laut der Nachrichtenagentur « Bloomberg» ermitteln US-Behörden gegen Bitfinex und die damit verbundene Firma Tether.

Experten begrüssen den tieferen Kurs

Dass der Bitcoin-Kurs nun gesunken ist, begrüssen manche Krypto-Enthusiasten. Etwa Jan Brzezek, CEO von Crypto Finance. Er findet, der Kursanstieg im Dezember sei zu extrem und nicht nachhaltig gewesen. «Dass der Kurs nun runtergekommen ist, tut dem Bitcoin gut. Es hilft dem Markt, einen Boden zu finden und sich über die Zeit zu professionalisieren.» Anders gesagt: Die Cyberwährung wird erwachsen.

Denn laut Brzezek wird sie besonders interessant, wenn institutionelle Anleger zu investieren beginnen. Dazu seien aber professionelle Infrastrukturen nötig. Brzezek begrüsst deshalb, dass verschiedene Länder nun regulatorische Rahmenwerke schaffen. «Erst dann gibt es Rechtssicherheit.» Wichtig seien zudem regulierte Börsen für Kryptowährungen und sichere Lagerungsmöglichkeiten – damit keine Diebstähle mehr vorkommen.

Zwar ist ein durch Regulationen gezähmter Bitcoin wohl kaum im Sinn des Erfinders. Brzezek ist aber optimistisch, was die Zukunft der populärsten Cyberwährung betrifft. Geht es nach ihm, dürfte der Albtraum des fallenden Kurses bald enden. Und der Bitcoin-Wert wieder ansteigen.

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