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30 September 2019

Markt Kommentar: NBA Spieler tokenisiert seinen Vertrag

Patrick Heusser

Patrick Heusser

Senior Trader bei Crypto Broker AG

Über den Autor

Vor ein paar Tagen machte eine höchst interessante Ankündigung aus dem Profisport von sich reden: Der NBA-Spieler Spencer Dinwiddie von den Brooklyn Nets hat 40% seines dreijährigen, 34,4 Millionen USD schweren NBA-Vertrags tokenisiert.

Der ERC20 Investment Token „$SD8“ (seine Initialen und Trikotnummer) wird von Spencers Firma DREAM Fan Shares herausgegeben. Doch seine Zukunftspläne sind viel grösser als nur die Tokenisierung seines Vertrages. Seine Vision ist es, eine Plattform zu schaffen, auf welcher auch andere Profisportler ihre Verträge tokenisieren können.

Der ERC20-Token wird unter Reg D ausgegeben, was bedeutet, dass er nur für akkreditierte Investoren verfügbar ist. Die Mindestinvestition beträgt somit 150.000 USD. Dies ist ein vernünftiger Schritt, da somit keine regulatorischen Fragen aufgeworfen werden. Das neue Konzept zieht bereits viel Aufmerksamkeit auf sich, was die NBA veranlasste, eine erste Stellungnahme abzugeben:

„Laut jüngsten Berichten beabsichtigt Spencer Dinwiddie, den Anlegern ein „tokenisiertes Wertpapier“ zu verkaufen, das durch seinen Spielervertrag abgesichert wird. Die beschriebene Regelung ist durch den C.B.A.(Tarifvertrag) verboten. Dieser sieht vor, dass „kein Spieler sein Recht auf Kompensation im Rahmen seines einheitlichen Spielervertrages an einen Dritten abtreten oder anderweitig übertragen darf.“

Spencer war darauf vorbereitet und hatte bereits ein Treffen mit der NBA am Wochenende vereinbart, um das Konzept näher vorzustellen.

Nun, welche finanziellen Anreize stecken hinter dem Token aus der Sicht der Investoren sowie für Spencer Dinwiddie?

Der ERC20-Vertrag wird so gestaltet, dass die Investoren einen bestimmten Zinssatz auf ihre Investition erhalten (der Zinssatz wurde noch nicht mitgeteilt). Zusätzlich besitzen Sie eine Call-Option für jeden erreichten Erfolg in Spencers Karriere. Wenn beispielsweise sein Team es in die Playoffs schafft und er zusätzliches Geld oder andere vertragliche Prämien verdient, fliessen diese Einnahmen in die ERC20-Bewertung ein. Aber die wirklich grossen Gewinne, auf welche die Investoren spekulieren, kommen erst im zweiten oder dritten Jahr, wenn Spencer ein Angebot von einem anderen Team mit einem höheren Auftragswert erhält.

Andererseits ist in Spencers Interesse, einen Teil seines Gehalts im Voraus zu erhalten. Es ist wahrscheinlich günstiger für ihn, Investoren einen niedrigen Zinssatz anzubieten, im Vergleich zu dem Zinssatz, den er für ein Darlehen oder eine Hypothek zahlen müsste. Allerdings ist offensichtlich, dass wenn dieses Konzept übernommen und von der NBA genehmigt wird, wird Spencer mit seiner Firma DREAM Fan Shares einen Haufen Geld verdienen.

Meiner Meinung nach gibt es noch viele offene Fragen (ein bisschen wie beim LIBRA-Projekt), aber es ist ein sehr positiver Schritt nach vorne für den gesamten Tokenisierungsmarkt. Jedoch glaube ich dies nicht nur, weil dieses Projekt einen vielversprechenden Use-Case hat, sondern weil es auch gut durchdacht und lanciert wurde.

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