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23 Oktober 2019

Marktkommentar: Aktueller Stand von Libra

Patrick Heusser

Patrick Heusser

Senior Trader bei Crypto Broker AG

Über den Autor

Das LIBRA Projekt ist wieder in den Fokus der Krypto-Community gerückt.

Wo steht das Projekt heute? Lassen Sie uns mit einer kurzen Rekapitulation der bisherigen Entwicklungen beginnen:

Aus regulatorischer Sicht ist das Projekt nicht wirklich weitergekommen. Offenbar hatte LIBRA ein paar Interaktionen mit mehreren Regulierungsbehörden auf der ganzen Welt, aber es scheint, dass keine nennenswerten Neuigkeiten daraus hervorgingen, welche von der Mainstream-Presse hätten aufgegriffen werden können.

Wir wissen jedoch, dass die meisten der grossen Zahlungsanbieter bereits abgesprungen sind – und soweit ich weiss, waren sie nie voll engagiert, sondern hatten alle nur eine Absichtserklärung unterzeichnet.

Was wurde denn bisher erreicht? Einerseits haben wir da den Code für den LIBRA Coin und andererseits ein sehr unspezifisches Konzept darüber, wie die Herausgabe und der Handel dieses Tokens funktionieren könnte. Wie es um die hauseigene Wallet CALIBRA steht, kann ich Ihnen leider nicht sagen, da ich zu wenig spezifische Kenntnisse über deren Entwicklung habe.

Morgen reist Mark Zuckerberg zurück zum Kongress, um über die Pläne des Unternehmens betreffend LIBRA auszusagen.

Ich habe die Hauptthemen aus Zucks „Cliff Notes“ aus dem aktuellen Messari-Newsletter übernommen:

  • Auf der ersten Seite greift Zuck Erzählungen auf, die sowohl die politische Linke (Banken innovieren nicht und lassen die Personen benachteiligt, welche eingeschränkten Zugang zu Finanzinstituten haben) als auch die politische Rechte (wenn Sie LIBRA verhindern, wird China den zukünftigen Finanzsektor dominieren) ansprechen.
  • Facebook wird nicht an der Einführung von LIBRA ohne Genehmigung der US-Regulierungsbehörde beteiligt sein.
  • „Eine Menge illegaler Aktivitäten werden durch Bargeld finanziert.“ Ich kann mir sehr gut ein temperamentvolles Hin und Her in dieser Diskussion vorstellen, was letztendlich dazu führen würde, dass Zuckerberg über Bitcoin herziehen wird – obwohl ich mir hier sicher bin, dass sein Team ihm dazu geraten hat, diesen Ansatz nicht zu verfolgen (?)
  • „Es wäre schlecht für unser Land“, wenn Unternehmen davon abgehalten werden, schwierige Probleme zu lösen. Dieses Argument ist der Grund, weshalb die ganze Krypto Community LIBRA von der Seitenlinie aus anfeuern sollten. Die Art und Weise, wie diese Initiative angegriffen wurde, sollte allen Anlass zur Sorge geben. Die Art und Weise, wie diese Initiative angegriffen wurde, sollte allen Anlass zur Sorge geben.

Die Aussage beginnt um 10:00 Uhr ET.

Zunächst war ich sehr skeptisch, nachdem ich LIBRA’s ersten Entwurf gelesen hatte. Meine Hauptsorge ist, dass sie einen Währungskorb suchen und ihn wie einen Vermögensverwalter verwalten möchten. Jedoch gibt es kein klares Konzept, wie sie diesen Plan tatsächlich vom Papier in die Realität umsetzen wollen. Darüber hinaus dies viele Bedenken bei verschiedenen Regulierungsbehörden auf der ganzen Welt geweckt, unter anderem aufgrund einer möglichen Kapitalflucht aus Schwellenländern.

Daher überraschte es mich nicht, dass David Marcus immer versucht hat, sich so viele Optionen wie möglich offen zu halten, indem er nicht spezifisch auf die Form des LIBRA Projekts eingegangen ist. Meiner Meinung nach war dies wahrscheinlich beabsichtigt, da sie von Anfang an wussten, dass sie nie in der Lage sein würden, allen beteiligten Regulierungsbehörden zu gefallen, und deshalb versuchten sie, erstmal die Stimmung zu testen und die Reaktionen abzuwarten, um schlussendlich den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen.

Einer Aussage von Zuck stimme ich und ganz zu: Sie versuchen, ein wirklich schwieriges Problem zu lösen (die Zahl der Personen ohne Zugang zu Finanzdienstleistungen zu verringern). Leider tendieren die Regulierungsbehörden dazu, die schwierige Probleme welche ihr Geldsystem tangieren, selbst zu lösen – und zwar nicht durch eine Organisation aus dem Privatsektor.

Mit diesem Punkt im Hinterkopf, bin ich noch nicht ganz überzeugt davon, dass der Vorstoss der chinesischen Regierung für einen digitalen Renminbi die Meinung der US-Regulierungsbehörden zu diesem Thema noch ändern wird. Ich denke, dass sie eher intern einige Ressourcen freisetzen werden, um ihren digitalen USD so schnell wie möglich lancieren zu können. Moment ist dies sowieso ein extrem heisses Thema auf der Prioritätenliste von fast jeder grösseren Zentralbank.

Für mich sieht es ganz danach aus, als würde es noch etwas länger gehen, bis die «unbanked people» endlich Zugang zu Finanzdienstleistungen bekommen.

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