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11 Januar 2021

NZZ: Auf der Suche nach dem «fairen» Wert des Bitcoins

Yara Ainsworth

Yara Ainsworth

Head of Marketing und Communications bei Crypto Finance AG

Über den Autor

In diesem Artikel vom NZZ über den Wert des Bitcoins kommentiert Jan Brzezek, CEO und Gründer der Crypto Finance AG, und Prof. Dr. Fabian Schär, VR Mitglied der Crypto Finance Gruppe.


Quelle: NZZ  | Autor: Werner Grundlehner

Auf der Suche nach dem «fairen» Wert des Bitcoins

Die Kryptowährung ist innert Monatsfrist von 20 000 auf über 41 000 Dollar geklettert – ist sie das «digitale Gold»?

Eines ist sicher mit Blick auf die Entwicklung des Bitcoin-Kurses – auch wenn Prognosen sonst mangels Fundamentaldaten kaum möglich sind –, so weitergehen kann es nicht. Mehrere tausend Dollar hat die Krypto-Währung an jedem der vergangenen Tage zugelegt. Am Freitag kletterte die Notierung im Handelsverlauf über 41 000 $. Noch Mitte Dezember notierte der Bitcoin unter 20 000 $. Die Krypto-Währung ist zurzeit ein Segelschiff, das durch das Pusten der eigenen Mannschaft vorwärtsgetrieben wird: Immer neue Höchst, die in immer kürzerer Zeit erreicht werden, führen zu steigender Aufmerksamkeit und weiter steigender Nachfrage der Investoren.

Mittlerweile sind die Vorteile von Kryptowährungen bei etablierten Banken und Medien ein Thema – während früher vor allem die Verwendung durch Kriminelle, der hohe Energieaufwand im «Mining» sowie betrügerische Handelsplätze die Diskussion dominierten. Der Bitcoin gilt als sicherer Hafen in einem Umfeld, in dem die lockere Notenbankpolitik die Angst vor einer Geldentwertung nährt. Die Kryptowährung kann nicht inflationiert werden, da der Umlauf bei der Lancierung auf 21 Mio. Coins begrenzt wurde.

Bis auf 146 000 Dollar?
Die brennende Frage ist nun aber, auf welchem Preisniveau der Bitcoin fair bewertet ist. Die Bank JP Morgan gab vor kurzem ein Kursziel 146 000 $ aus. Wenn die Gelder von Privatinvestoren, die heute in Gold investiert würden, in die Krypto-Währung umgeschichtet würden, käme man auf diesen Betrag, so die Erklärung.

Die Idee, dass der Bitcoin sich als digitales Gold zur Wertaufbewahrung eigne, gewinnt mehr Anhänger. Verschiedene US-Unternehmen habe etwa ihre Währungsreserven in Bitcoin umgeschichtet.

«Ich halte nicht viel von den Bewertungsmodellen, die derzeit herumgereicht werden», sagt Fabian Schär, Professor für Blockchain-Technologie an der Universität Basel. Viele Bewertungsmodelle setzten Zahlungsströme voraus und funktionierten in diesem Fall dementsprechend nicht. Hier handle es sich um einen reinen Marktpreis, der ausschliesslich durch Angebot und Nachfrage bestimmt werde. «Der Bitcoin hat spannende Charakteristika und das Potenzial, auch langfristig eine wichtige Rolle zu spielen», sagt Schär. Solche Kursprognosen seien aber wenig hilfreich und wissenschaftlich unfundiert.

«Ich bin kein grosser Anhänger von mittel- bis langfristigen Kurszielen, da man diese nie unter gleichbleibenden Bedingungen betrachten kann», sagt Jan Brzezek, Gründer und CEO von Crypto Finance. Man solle viel mehr in makroökonomischen Szenarien denken. Da der Bitcoin weder eine Dividende zahle noch eine natürliche Nachfrage habe, verwende er ein einfaches Angebots- und Nachfrage-Diagramm. Das Angebot setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: den neu geschaffenen Bitcoins (6.25 Stück alle 10 Minuten) und jenen, die durch Verkäufer wieder auf den Markt kommen. Ein Preisgleichgewicht bestehe dann, wenn niemand verkaufen wolle und alle 10 Minuten Investoren für rund 250 000 Fr. Bitcoins kauften.

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie sind wir gemäss Brzezek in eine neue Phase eingetreten, in der die Zentralbanken mit ihrer unlimitierten Geldmengenausweitung das Risiko einer Überhitzung exponentiell erhöhen. Sobald die Angst vor dem Virus aufgrund der Impfungen wieder sinke, werde der Konsum anziehen und unter anderem zu Inflation führen. «Dies wird zu einer stark erhöhten Nachfrage nach alternativen, inflationsgeschützten Anlagen führen, wobei der Bitcoin aufgrund seiner immer noch kleinen Marktkapitalisierung am meisten profitieren wird», sagt Brzezek.

Regelmässigkeit beim Anlegen
«Natürlich kann der Bitcoin nicht weiterhin jeden Tag mehrere Prozent zulegen», sagt Alain Kunz, Head Digital Assets bei der Bank Cler. Deshalb rate er auch zu einer Durchschnittskostenstrategie – etwa einem regelmässigen Investment von 100 Fr. pro Monat in Krypto. Auch Kunz glaubt, dass sich die Wertaufbewahrung von Gold in Krypto-Währungen verschieben wird: «In anderen Industrien wie etwa Musik hat man gesehen, dass der digitale Markt jeweils grösser wird als der ursprüngliche, analoge Markt.» Auch Jan Brzezek rät zu einer über die Zeit gestaffelten Investition, um in Korrekturen günstig nachkaufen zu können. «In den nächsten paar Monaten sehe ich eine grosse Wahrscheinlichkeit, dass wir nochmals den Wert verdoppeln können.» Das Momentum stimme, und jegliche Korrekturen werden sofort wieder aufgekauft. Jeder rasche Anstieg erhöhe aber das Risiko einer grösseren Korrektur.

Allgemein erachtet Fabian Schär die reine Fixierung auf den Preis als wenig sinnvoll: «Leider neigen Menschen dazu, in Extremen zu denken.» Gehe der Bitcoin-Preis hoch, sei die Euphorie ungebremst. Gehe der Bitcoin-Preis runter, sei es die Technologie des Teufels. Schär hofft, dass «diese reine Fixierung auf den Preis irgendwann abklingt und Bitcoin aufgrund der technischen Innovation und der spannenden Charakteristika Schlagzeilen macht».

Oft heisst es, dass die Liquidität im Sektor gering sei und wenige Grossinvestoren (Whales) den Kurs des Bitcoins bestimmten. «Dass diese Whales fast den kompletten Bestand halten, ist unwahrscheinlich, dafür waren zu viele Bitcoin-Fans in den ersten fünf bis sechs Jahren mit dabei», sagt Daniel Diemers, Blockchain Experte bei SNGLR Group. Da diese «Fans» aber oft wenig Handel betrieben, könnten «Walfische» den Kurs tatsächlich stark beeinflussen, da vieles ausserhalb der Börsenplätze passiert und die Liquidität gering ist. Man wisse heute, dass die meisten grösseren Kursbewegungen von Aktionen der «Whales» oder institutionellen Investoren getätigt werden, wobei die Grenzen da fliessend seien.

Neue Anlageprodukte
Die Hausse der vergangenen Monate war einerseits geprägt durch ein steigendes Interesse von institutionellen Anlegern und andererseits einen Angebotsausbau von Produkten für Privatanleger. Dieser setzt sich fort. So wird etwa in der kommenden Woche die ETC Group ein börsengehandeltes Anlageprodukt (ETP) in der Schweiz zweitkotieren lassen. Dieses ETP ist seit Juni an der Deutschen Börse kotiert und hat ein Volumen von über 400 Mio. $ erreicht. Jan Brzezek verweist darauf, dass Crypto Finance schon länger daran arbeite, einen Finma-regulierten, kotierten Fonds zu lancieren.

Die Krypto-Experten sind sich einig, dass ein traditioneller Anleger ohne spezielle Kenntnisse mit einem Anlageprodukt wie Tracker-Zertifikat, ETP oder Fonds besser bedient ist als mit einem direkten Bitcoin-Investment. So muss der Anleger nicht die Lagerung mit Wallets und Keys selbst organisieren. Das Aufbewahren von Crypto-Coins ist gemäss Daniel Diemers nicht trivial, und auch Leute, die mit IT gut vertraut sind, machten da Fehler. Man vermute, dass rund 20% aller bisher geschürften Bitcoins heute unwiederbringlich verloren seien, da die Schlüssel verloren gingen.

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