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20 September 2019

Der digitale Franken: Eine grosse Chance für die Schweiz

Crypto Finance Team

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Dieser Artikel stammt aus unserem neuen Building Blocks Magazin, geschrieben von unserem CEO Jan Brzezek, welcher auch in der NZZ veröffentlicht wurde.

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Im digitalen Franken steckt eine grosse Chance für die Schweiz

Die «Tokenisierung der Wirtschaft» auf der Blockchain braucht eine digitale Währung, die zugleich wie der Franken sicher und stabil sein muss, um Vertrauen auszustrahlen.

Rund um den Erdball ist der Franken eine der begehrtesten Währungen, obwohl die Schweiz ein kleines Land ist. Was läge also näher, als den Franken ins Internet zu heben? Denn digitales Geld wird kommen, weil klassisches Geld im Internet viel zu langsam und in gewissem Masse zu «dumm» ist. Digitale Smart Contracts werden den Tauschprozess verbessern und beschleunigen, so wie E-Mails Briefe abgelöst haben und inzwischen sicher verschlüsselt und schnell mit Datenanhängen übermittelt werden können. An eine Note oder eine Überweisung kann man – im übertragenen Sinne – kein Post-it mit einem Vertrag oder einer Versicherung so fest ankleben, dass niemand die Information wegnehmen oder verändern könnte. Man spricht dabei von der «Tokenisierung», bei der alle Anlagen als Token auf der Blockchain wie Gene in dem Genom abgespeichert werden – inklusive Güter wie Häuser, Kunst, Autos und so weiter.

Bis anhin engagieren sich primär private Firmen in der Entwicklung des digitalen Geldes der zweiten Generation. Facebook und andere gehen nun ebenfalls rasch voran, weil sie erkannt haben, welches Potenzial in solch einer digitalen Währung steckt. Zusammen mit Partnern haben sie für Mitte 2020 «Libra» angekündigt – eine vollständig mit «echtem» Geld unterlegte Digitalwährung für ihre weit mehr als zwei Milliarden Nutzer. Dies ist eine grosse Herausforderung für das Finanzsystem mit den Zentralbanken an der Spitze, die für die Ausgabe und die Stabilität des Geldes verantwortlich sind. Man könnte sogar von einer Bedrohung für das Geldmonopol des Staates sprechen. Das Internet wartet nicht auf Zentralbanken und Aufsichtsbehörden, auch wenn die Frage noch offen ist, wer und wie eine Libra Association oder anderes digitales Geld regulieren wird.

Für die Schweiz besteht deshalb eine einmalige Chance, den Finanzplatz dank dem radikalen Einsatz moderner Technologien weltweit als führenden Standort für digitale Finanzdienstleistungen zu etablieren. Denn digitales Geld ist der fehlende Baustein für die vollständige Digitalisierung der Wirtschaft.

Die Schweiz hat hervorragende Voraussetzungen: Erstens gilt die Schweiz auf der ganzen Welt als rechtssicher, finanzstabil und wirtschaftlich innovativ. Zweitens hat sich der Schweizer Finanzmarktregulator bereits seit einigen Jahren intensiv mit dieser Technologie auseinandergesetzt und kennt sich so gut aus wie nur wenige Regulatoren auf der Welt. Die derzeit in der Vernehmlassung hängigen Anpassungen geben der Schweiz dann auch rechtlich die Sicherheit, die es für den Erfolg eines Standortes braucht. Genau so wie damals in Luxemburg, als das neu lancierte Fondsgesetz, neben der steuerlichen Attraktivität, die Grundlage für den weltweiten Standorterfolg war. Drittens ist mit dem Crypto Valley rund um Zug auch die Reputation vorhanden, von Beginn an dabei zu sein. Auch wenn das Crypto Valley kein Silicon Valley ist, so kann weltweit in Sachen digitales Geld kaum ein Land mit dieser Finanzmarktinfrastruktur, dem relevanten Wissen und der kryptofreundlichen Regulierung der Schweiz mithalten. Die Gründung der Libra Association in Genf ist das beste Beispiel dafür.

Der «call for action» für einen E-Franken richtet sich jetzt primär an die SNB. Dass sie solch eine Entscheidung nicht einfach so fällt, ist erstens einem gesunden Konservatismus von Zentralbanken geschuldet und zweitens der Frage, wie sie einen E-Franken lancieren würde – direkt selber oder über die Geschäftsbanken (mit Unterlegung von «echten» Franken als Sicherheit). Durch eine visionäre, risikobereite und konzentrierte Aktion der Politik, der SNB, der SIX, der Geschäftsbanken und privater Akteure können wir den Schweizer Finanzplatz nachhaltig stärken. Und Swiss Quality zählt immer – auch im Internet.

 

 

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